Ein Malprojekt verbindet zwei Welten

Kinder aus Weinheim und Kumasi in Ghana malten Bilder und zeigen sich so gegenseitig "Mein Zuhause, meine Heimat"

Weinheim aktuell - 19. Oktober 2006

Weinheim. (keke) Naana Adebi, Eddie Adjah, Godfred Adjei, Akosua Afrani, Edem Amenuke, Jasmin Fischer, Juliet Fünkner, Miriam Glathe, Kai Sonnenschein, Tabea Stock und die Zwillinge Aysenur und Sariyenur Kurnaz: Kinder aus der Knust Primary School in Kumasi, Ghana, und der Friedrichschule in Weinheim, die sich nicht kennen und die doch eines miteinander verbindet. Das Malprojekt "Mein Zuhause, meine Heimat". Ursula Irle-Böhnisch hat es anlässlich ihres 70. Geburtstags im Sommer angestoßen und unter der Pinselführung von Ingrid Westermann auf Papier und Leinwand gebracht.

Insgesamt 14 deutsche und 15 ghanaische Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren zeigen sich dabei in rund 90 Bildern gegenseitig ihre Welt, in der sie leben und von der die jeweils andere Seite bisher kaum etwas wusste. Wie bildnerisch festgehaltene Schneemänner, Ritterburgen, Marienkäfer, saftige Kirschen und Erdbeeren aus Deutschland sowie Stroh gedeckte Eingeborenendörfer und Beschwörungstänze aus Afrika.

Hintergrund des Ganzen: Seit seinem Ruhestand sammelt Irle-Böhnischs Schwager, der Hamburger Tropenarzt Dr. Ulrich Irle, dringend benötigte medizinische Geräte für Krankenhäuser in Ghana. Während eines Gesprächs mit ihrem Schwager wurde der ehemaligen Vorsitzenden des Weinheimer Kunstfördervereins bewusst, dass viele Kinder in Ghana gar keine Malfarben, keine Stifte, keine Pinsel und auch kein Papier besitzen. "Wie aber sollen Kinder schreiben lernen, ihre Gedanken zeichnerisch und malerisch zu Papier bringen und Spaß an kreativen Arbeiten und Dingen haben, wenn ihnen die einfachsten Materialien dazu fehlen?", so Irle-Böhnisch. Mit dem Geld, das sie sich anstelle von Geschenken zu ihrem Geburtstag gewünscht hatte - rund 1.200 Euro -, kaufte sie eine erste Ausstattung von Malutensilien und schickte diese mit ihrem Schwager auf den schwarzen Kontinent. Dort malten zeitgleich wie ihre deutschen "Künstlerkollegen" 15 Kinder ihre Bilder-Welt - unter der Leitung von Bernard Akoi Jackson im Rahmen des "Kofi und Amma" getauften Projekts.

Diese Bilder brachte wiederum Irle auf dem Rückweg im Handgepäck mit nach Weinheim. Vereinigt mit den Bildern der Weinheimer Maler sind sie seit kurzem Mittelpunkt in der Galerie der Friedrichschule.

Für Oberbürgermeister Heiner Bernhard, der die Schirmherrschaft über das Projekt übernahm, stellt "Kofi und Amma" - benannt nach zwei Puppen, die Irle seiner Schwägerin aus Afrika mitbrachte - eine hervorragende Gelegenheit dar, das nachzuholen, was unsere Gesellschaft schon lange nachzuholen habe: "Den vergessenen Kontinent Afrika aus seinem Vergessensein zu erwecken".

Wenn dies durch Kinder geschehe, sei die Streuwirkung umso größer, lobte Bernhard die "vorbildliche Initiative" Irle-Böhnischs. Indem sie sich über das Elternhaus und den Freundeskreis hinweg fortpflanze, wirke die Initiative im Sinne von Völkerverständigung und Völkerfreundschaft desto nachhaltiger weiter. Natürlich sei dies alles erst der Anfang und der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein, war sich Irle-Böhnisch klar. Die Diskussion in Deutschland zeige aber, dass Kinder ohne eine frühzeitige Bildung weniger Chancen hätten: "Wir in Deutschland können das Problem als reiche Nation sehr viel besser meistern. Aber was geschieht mit den Kindern in den Entwicklungsländern?"

So ist "Kofi und Amma" für Irle-Böhnisch dann auch "hoffentlich kein einmaliges Projekt". Es solle vielmehr die kindliche Kreativität anregen und zum besseren Kennenlernen von Kindern aus Ghana und Deutschland führen.

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